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Klar definierte Risikofelder

Systematisches Risikomanagement setzt voraus, dass die Risiken frühzeitig erkannt werden. Nachfolgend sind die zentralen derzeit identifizierten Risiken aufgeführt, denen der Haniel-Konzern voraussichtlich auf kurze und mittlere Sicht ausgesetzt ist. Den identifizierten Risiken sind hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe jeweils Bandbreiten zugeordnet, wobei die Schadenhöhe als mögliche Ergebnisbelastung pro Jahr ausgewiesen ist. Bei der Zuordnung der Risiken zu den Bandbreiten sind risikomindernde Gegenmaßnahmen bereits berücksichtigt. Durch Kombination der beiden Kriterien – Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe – werden die einzelnen Risiken in der Haniel-Risikomatrix den Kategorien „bedeutende Risiken“, „wesentliche Risiken“ und „übrige Risiken“ zugeordnet. Im Folgenden sind die zentralen identifizierten Risiken nach diesen Kategorien beginnend mit den „bedeutenden“ dargestellt:

Beteiligungen: Haniel hält insbesondere eine wesentliche Beteiligung an der METRO GROUP. Faktoren, die das Konzernergebnis der METRO AG ungünstig beeinflussen, wirken sich auch auf das Metro-Beteiligungsergebnis des Haniel-Konzerns aus oder können den Wertansatz der Beteiligung negativ beeinflussen. Aufgrund der Größe der Beteiligung an der METRO GROUP ist dieses Risiko im Haniel-Konzern als bedeutendes Risiko zu klassifizieren. Risiken, denen die METRO GROUP unterliegt, ergeben sich insbesondere aus Änderungen beim Konsumverhalten und der Kundenerwartungen an den Handel sowie einem steigenden Wettbewerbsdruck durch E-Commerce. Wenn es nicht gelingt, angemessen auf diese Herausforderungen zu reagieren und die begonnenen Veränderungsprojekte erfolgreich umzusetzen, kann dies die Geschäftsentwicklung der METRO GROUP beeinträchtigen. Außerdem können eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie eine Fehlbeurteilung von Märkten für die internationale Expansion negative Auswirkungen auf das Geschäft der METRO GROUP haben. Der Umgang mit diesen Risiken liegt in erster Linie in der Verantwortung des Managements der METRO GROUP. Als größter Anteilseigner begleitet Haniel das Management dabei durch Vertretung im Aufsichtsrat und durch Ausübung von Eigentümerrechten in der Hauptversammlung.

Unternehmensstrategie: Unternehmensstrategische Risiken können vor allem durch die Fehleinschätzung künftiger Entwicklungen im Markt- und Wettbewerbsumfeld entstehen. Fehleinschätzungen können sich auch auf die Attraktivität von neuen regionalen Märkten oder auf die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen insgesamt beziehen. Der Haniel-Konzern begegnet diesem Risiko mit intensiven Markt- und Wettbewerbsanalysen sowie regelmäßigen Strategiegesprächen zwischen dem Holding-Vorstand und dem Management der Gearing. Darüber hinaus trägt das diversifizierte Geschäftsfeldportfolio dazu bei, die Auswirkungen von Fehlentwicklungen in einzelnen Bereichen abzumildern. Dennoch führt die hohe Erfolgsrelevanz strategischer Entscheidungen dazu, dass damit verbundene Gefahren im Haniel-Konzern zu den wesentlichen Risiken gehören.

Unternehmenskäufe und -verkäufe: Um Risiken im Rahmen von Unternehmenstransaktionen wirksam zu begegnen, werden Investitionen und Desinvestitionen vor Abschluss – auch mithilfe qualifizierter externer Berater – sorgfältig geprüft und mithilfe methodisch einheitlicher DCF-Renditerechnungen bewertet. Die Integration eines erworbenen Unternehmens in den Haniel-Konzern erfolgt anschließend auf Grundlage detaillierter Zeit- und Maßnahmenpläne sowie klar definierter Verantwortlichkeiten. Darüber hinaus werden bereits getätigte Unternehmenserwerbe regelmäßig einer Erfolgskontrolle unterzogen. Falls trotz aller Sorgfalt die mit einer Akquisition angestrebten Ziele nicht oder nur teilweise erreicht werden, können Wertberichtigungen auf Goodwills und andere Vermögenswerte erforderlich sein. Im Fall von Unternehmensverkäufen werden die daraus im Konzern verbleibenden Verpflichtungen regelmäßig überwacht und beurteilt. Im Zusammenhang mit dem Verkauf des früheren Geschäftsbereichs Xella fallen darunter auch in Klageverfahren geltend gemachte Schäden aus angeblich fehlerhaften Kalksandsteinen aus früheren Haniel-Baustoffwerken. Bei den Risiken aus Unternehmenskäufen und - verkäufen handelt es sich aufgrund der hohen Bedeutung des Portfoliomanagements im Haniel-Konzern und der damit inhärent verbundenen Unwägbarkeiten um wesentliche Risiken.

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung: Die Nachfrage nach den Dienstleistungen und Produkten der Geschäftsbereiche wird auch von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beeinflusst. Diese Abhängigkeit ist jedoch in den Geschäftsbereichen unterschiedlich groß und zeigt sich zeitlich versetzt: Während eine nachlassende Konjunktur bei Bekaert Textiles, ELG und TAKKT unmittelbar die Geschäftsentwicklung beeinträchtigt, spiegelt sie sich bei CWS-boco in einem vergleichsweise geringeren Umfang und erst zeitverzögert wider. Grund hierfür sind die langfristigen Verträge mit den Kunden im Vermietungs-Kerngeschäft von CWS-boco. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stellt ein wesentliches Risiko dar, auch wenn durch die Diversifikation des Haniel-Geschäftsportfolios und die Präsenz in unterschiedlichen Regionen die Auswirkungen konjunktureller Schwankungen abgemildert werden. Darüber hinaus wirken die starke Marktposition der einzelnen Geschäftsbereiche, umfassende Produkt- und Dienstleistungsangebote, eine heterogene Kundenbasis sowie flexible Kapazitäten und Kostenstrukturen risikomindernd.

Personal: Der Unternehmenserfolg des Haniel-Konzerns ist maßgeblich von der Kompetenz und dem Engagement der Mitarbeiter abhängig. Führungskräfte müssen die erforderliche Kompetenz, Erfahrung und Persönlichkeit aufweisen, um die richtigen Entscheidungen im Sinne einer wertorientierten und nachhaltigen Entwicklung ihrer Bereiche zu treffen und umzusetzen. Dementsprechend kann die Auswahl von Führungskräften, die diesen Anforderungen nicht genügen und Fehlentscheidungen treffen, die erfolgreiche Unternehmensentwicklung spürbar beeinträchtigen. Der Haniel-Konzern ist deshalb bestrebt, qualifizierte Beschäftigte zu gewinnen, sie weiterzuentwickeln und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Hierzu bietet der Haniel-Konzern attraktive Vergütungsmodelle und führt regelmäßig Nachfolgeplanungen mit dem Ziel durch, frei werdende Stellen mit qualifizierten internen Kandidaten besetzen zu können. Vor allem aber investiert der Haniel-Konzern in die kontinuierliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter: Die eigene Haniel Akademie bietet Fach- und Führungskräften aus dem Konzern Seminare und modulare Programme zur Weiterbildung sowie zur Stärkung der Führungskompetenz an. Die Programme des „Haniel Leadership Curriculum“ bereiten aufstrebende Führungstalente, erfahrene Führungskräfte und Top-Manager auf künftige Herausforderungen und Führungsaufgaben vor. Ausführliche Informationen zu Aus- und Fortbildung im Haniel-Konzern enthält das Kapitel „Corporate Responsibility“. Insgesamt werden Risiken aus dem Personalbereich als wesentliche Risiken eingeschätzt.

Informationstechnologie: Gut funktionierende und auf die Strategie abgestimmte IT-Systeme stellen im Haniel-Konzern eine notwendige Voraussetzung für die operative Geschäftstätigkeit und für administrative Bereiche dar. Mangelnde Anpassungsfähigkeit der IT-Systeme kann bei veränderten strategischen Anforderungen erhebliche Wettbewerbsnachteile mit sich bringen. Daher überprüfen die Haniel-Holding und die Geschäftsbereiche ihre IT-Strategie regelmäßig und modernisieren oder erneuern die Systeme bei Bedarf. Um mit solchen Projekten untrennbar verbundenen Risiken zu begegnen, finden fundierte und systematische Auswahlprozesse für neue IT-Systeme und moderne Projektmanagement-Methoden bei deren Einführung Anwendung. Bei der laufenden Nutzung von IT-Systemen bestehen darüber hinaus das Risiko eines Ausfalls sowie das Risiko von Datenzugriffen oder -manipulationen durch Unberechtigte. Solchen Gefahren beugt neben einem geschärften Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter ein professionell organisierter IT-Betrieb vor. Hierzu bestehen konzernweit einheitliche Mindeststandards. In Übereinstimmung damit halten die Haniel-Holding und die Geschäftsbereiche zusätzliche Notfallsysteme vor, sichern regelmäßig relevante Daten und tragen dafür Sorge, dass Unberechtigte nicht auf IT-Systeme zugreifen können. Insgesamt sind die aus der Informationstechnologie resultierenden Risiken im Haniel-Konzern zu den wesentlichen Risiken zu rechnen.

Rohstoffpreise: Erheblichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung des Geschäftsbereichs ELG hat die Entwicklung von Preisen für Rohstoffe, insbesondere für Nickel, die wiederum durch konjunkturelle Branchenentwicklungen beeinflusst sind. Stabilisierend auf die Geschäftsentwicklung von ELG wirken Preisabsicherungen mithilfe derivativer Finanzinstrumente sowie die breite geografische Streuung der Warenströme in der Beschaffung und im Vertrieb. Dennoch verbleiben geschäftsmodellbedingt Rohstoffpreisschwankungen als wesentliches Risiko.

Forderungen: Vor allem ELG liefert branchenbedingt die Produkte an einige wenige, dafür aber sehr große Kunden. Dies führt pro Abnehmer zu teilweise sehr hohen Forderungsständen. Um den Risiken durch Forderungsausfälle entgegenzutreten, verfügt ELG über ein umfassendes Debitorenmanagement. Darüber hinaus schließt ELG – soweit dies möglich ist – systematisch Ausfallversicherungen ab und verkauft Forderungen im Rahmen von Forfaitierungsprogrammen. Auch unter Berücksichtigung dieser Gegenmaßnahmen stellt der Ausfall von Forderungen ein wesentliches Risiko dar.

Wechselkurse: Da der Haniel-Konzern Geschäftsaktivitäten in erheblichem Umfang in Ländern hat, die nicht den Euro als Landeswährung haben, unterliegen operatives Geschäft und Finanztransaktionen Wechselkursschwankungen, die sich negativ auf das Konzernergebnis auswirken können. Dabei handelt es sich zum einen um Transaktionsrisiken, die vor allem dadurch entstehen, dass Umsatzerlöse und zugehörige Kosten nicht in derselben Währung anfallen. Zum anderen bestehen Translationsrisiken, die aus der Umrechnung von Erträgen und Aufwendungen in Nicht-Euro-Währungen in Euro herrühren. Während Translationsrisiken grundsätzlich nicht gegen Wechselkursschwankungen gesichert werden, setzt der Konzern diverse Sicherungsinstrumente ein, um Transaktionsrisiken zu begrenzen. Diese werden detailliert im Konzernanhang erläutert. Insbesondere wegen der ungesicherten Translationsrisiken gehören Wechselkursrisiken im Haniel-Konzern zu den wesentlichen Risiken.

Zinssätze und Finanzierung: Veränderungen von Zinssätzen können zu höheren Finanzierungskosten führen und sich damit negativ auf das Ergebnis auswirken. Dabei ist zwischen der Veränderung des Marktzinses und der Veränderung der Marge, die zusätzlich zum Marktzins zu zahlen ist, zu unterscheiden. Um die Risiken aus Veränderungen von Marktzinsen zu begrenzen, setzt der Konzern diverse Sicherungsinstrumente ein. Diese werden detailliert im Konzernanhang erläutert. Um die Volatilität der Zinsmargen zu begrenzen, sind langjährige Kreditvereinbarungen, Schuldscheindarlehen und Anleihen geeignete Finanzierungsformen. Dabei hängt die Zinsmarge auch vom Rating der Holding ab. Dieses richtet sich nach der Entwicklung des Marktwert-Gearings, also des Verhältnisses zwischen Nettofinanzschulden und Marktwert des Beteiligungsportfolios, sowie des Cashflows auf Holding-Ebene. Zudem beeinflussen Anzahl und Gewicht der einzelnen Beteiligungen im Haniel-Beteiligungsportfolio das Rating.

Die Sicherung des Finanzierungsbedarfs für das operative Geschäft erfolgt im Haniel-Konzern mit Eigen- und Fremdkapital. Beim Fremdkapital wird eine Diversifikation der Finanzierungsinstrumente und Investorenkreise angestrebt, um flexibel auf Entwicklungen an den Kapitalmärkten und im Bankenbereich reagieren zu können. Zu verbindlich zugesagten, jedoch nur in begrenztem Umfang genutzten bilateralen Kreditlinien kommen regelmäßig aktualisierte Kapitalmarktprogramme der Holding wie das Debt Issuance Programme hinzu. Bei der Finanzierung mit Fremdkapital ist es von Vorteil, dass die Holding und die Geschäftsbereiche als langjährige und verlässliche Geschäftspartner bei Banken und anderen Investoren ein hohes Maß an Vertrauen genießen. Damit ist der Haniel-Konzern in der Lage, die Finanzierung des operativen Geschäftsbetriebs sicherzustellen, auch wenn die Einzahlungen aus der Geschäftstätigkeit beispielsweise konjunkturbedingt rückläufig sind.

Bei der vorübergehenden Anlage von Finanzmitteln nach dem Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio im Jahr 2014 besteht prinzipiell die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit einer Gegenpartei und damit das Risiko des Forderungsausfalls. Um dem zu begegnen, verteilt Haniel die Anlagen auf eine Vielzahl von Vertragspartnern und hat in Abhängigkeit von deren Bonität entsprechende Limite festgelegt. Dies ist in der Richtlinie für die Anlage von Finanzmitteln dokumentiert und wird regelmäßig überwacht.

Im Haniel-Konzern sind Risiken aus Zinssätzen und Finanzierung derzeit von vergleichsweise geringer Bedeutung und damit zu den übrigen Risiken zu rechnen.

Compliance: Die Geschäftstätigkeit des Haniel-Konzerns unterliegt gesetzlichen und unternehmensinternen Regelungen. Werden diese nicht eingehalten, kann das dem Ansehen des Unternehmens Schaden zufügen und den wirtschaftlichen Erfolg gefährden. Um Compliance-Risiken effektiv vorzubeugen, hat der Haniel-Konzern ein umfassendes Compliance-Management-System etabliert. Aus diesem Grund werden Compliance-Risiken den übrigen Risiken zugeordnet.

Gerichtsverfahren: Weder die Franz Haniel & Cie. GmbH noch eine ihrer derzeitigen Tochtergesellschaften sind an laufenden oder derzeit absehbaren Gerichtsverfahren direkt beteiligt, die wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns haben könnten.