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Haniel-Konzern: Umsatz- und Ertragslage

Die stabile konjunkturelle Entwicklung in den für Haniel relevanten Märkten wurde durch die rückläufige Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten überlagert. Diese führte beim Geschäftsbereich ELG zu rückläufigem Umsatz und Ergebnis. Trotz einer sehr guten Geschäftsentwicklung insbesondere bei TAKKT und der positiven Beiträge des seit Juni einbezogenen Geschäftsbereichs Bekaert Textiles verzeichnete der Haniel-Konzern daher einen Rückgang bei Umsatz und Operativem Ergebnis. Erfreulich war die Entwicklung des Ergebnisses vor Steuern, das aufgrund der in den Vorjahren erreichten Entschuldung signifikant gestiegen ist.

 

Heterogenes Marktumfeld für Haniel
Die globale Wirtschaft verzeichnete nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2015 mit einem Anstieg von 3,1 Prozent ein geringeres Wachstum als noch im Vorjahr mit 3,4 Prozent. Die Wirtschaft in den USA und Europa profitierte von einer moderaten, aber kontinuierlichen Erholung. Dabei waren das Wirtschaftswachstum und die daraus resultierenden positiven Impulse für die Geschäftsentwicklung in den USA stärker als in Europa. Während der IWF für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2015 in den USA 2,5 Prozent berichtet, lag es im Euroraum lediglich bei 1,5 Prozent. Innerhalb von Europa profitierte Haniel vor allem vom stetigen Wachstum in Deutschland in Höhe von ebenfalls 1,5 Prozent. Die Kaufzurückhaltung in der Schweiz nach der Aufwertung des Schweizer Frankens hat hingegen zu einem geringeren Wachstum mit spürbaren Auswirkungen auf die dortigen Geschäftsaktivitäten geführt.

Die weltweite konjunkturelle Entwicklung war im Jahr 2015 auch von nachlassender Dynamik in den Schwellen- und Entwicklungsländern geprägt. Dort wurde nur noch ein Wachstum von 4,0 Prozent nach 4,6 Prozent im Vorjahr erzielt. Dieser Rückgang war unter anderem durch die Konjunktur in China geprägt.

Neben dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld sind für den Haniel-Konzern die Bedingungen im Marktsegment Edelstahl von großer Bedeutung. Diese waren im Jahr 2015 deutlich schlechter als noch im Vorjahr. Eine wichtige Ursache dafür liegt in der wirtschaftlichen Abkühlung in China. Die gedämpften konjunkturellen Erwartungen und das weltweite Überangebot an Primärnickel führten zu einem Preisverfall bei Nickel, dem bedeutendsten Wertträger im Edelstahl.

Umsatz wegen Geschäftsentwicklung bei ELG gesunken
Insgesamt verbuchte der Haniel-Konzern im Jahr 2015 einen Umsatzrückgang von 3 Prozent auf 3.808 Millionen Euro. Die Ursache für diesen Rückgang ist die Geschäftsentwicklung bei ELG – demgegenüber hatten Akquisitionen insgesamt einen positiven Effekt auf die Umsatzerlöse. Neben dem Erwerb von Bekaert Textiles durch Haniel als neuen Geschäftsbereich lieferten auch Unternehmenskäufe bei den bestehenden Geschäftsbereichen positive Beiträge zur Umsatzentwicklung: Im Jahr 2015 hat TAKKT sein Portfolio um Post-Up Stand und BiGDUG erweitert, während CWS-boco mehrere kleinere Unternehmen erworben hat. Währungseffekte, insbesondere aufgrund des stärkeren US-Dollars, wirkten sich ebenfalls positiv aus. Dagegen hatten der Verkauf der Plant Equipment Group im Geschäftsjahr 2015 sowie die bereits im Vorjahr erfolgte Schließung des Topdeq- Geschäfts bei TAKKT einen negativen Effekt.

Bereinigt um diese Währungseffekte sowie Unternehmenskäufe und -verkäufe lag der Umsatz um 12 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dies ist allein auf den historisch niedrigen Nickelpreis und die geringere Ausgangstonnage infolge der schwierigen Marktlage im Bereich der ELG zurückzuführen. Der Umsatz aller anderen Geschäftsbereiche entwickelte sich gegenüber dem Vorjahr positiv. Hervorzuheben ist dabei das hohe Umsatzwachstum von TAKKT in den USA, wo der Geschäftsbereich von einem guten Geschäftsklima und wachstumsstarken Geschäftsmodellen profitierte.

Operatives Ergebnis zurückgegangen
Das Operative Ergebnis des Haniel-Konzerns ist von der marktbedingt schlechten Geschäftsentwicklung der ELG geprägt. Die gegenüber dem Vorjahr geringere Ausgangstonnage und die erheblich niedrigere Marge im Edelstahlschrottgeschäft führten zu einem deutlich verringerten Operativen Ergebnis bei ELG, das im Geschäftsjahr 2015 negativ ausfiel. TAKKT hingegen steigerte sein Ergebnis insbesondere aufgrund der guten Geschäftsentwicklung in den USA und auch CWS-boco erreichte ein höheres Operatives Ergebnis. Zusätzlich steuerte Bekaert Textiles einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis bei. In Summe konnte das fehlende Ergebnis von ELG jedoch nicht in Gänze ausgeglichen werden, sodass im Jahr 2015 das Operative Ergebnis bei 193 Millionen Euro und damit unter dem Vorjahreswert in Höhe von 217 Millionen Euro lag.

* aus fortgeführten Bereichen

Ergebnis vor Steuern durch Entschuldung deutlich höher
Das Ergebnis vor Steuern ist von 31 Millionen Euro auf 174 Millionen Euro gestiegen. Dies ist sowohl auf ein höheres Beteiligungsergebnis als auch auf ein verbessertes Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit zurückzuführen.

Das Beteiligungsergebnis, das ausschließlich das Beteiligungsergebnis an der METRO GROUP beinhaltet, stieg von 14 Millionen Euro im Vorjahr auf 57 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015 an. Infolge des Verkaufs von METRO Cash & Carry Vietnam verbuchte die METRO GROUP trotz der Wertminderung auf den Goodwill bei Real Deutschland in Summe geringere Sonderfaktoren. Dadurch, aber auch aufgrund der erfreulichen Entwicklung bei METRO Cash & Carry und bei Media-Saturn, erzielte sie ein leicht höheres Operatives Ergebnis als im Vorjahr. Zudem trugen ein verbessertes Finanzergebnis, ein niedrigerer Steueraufwand und der Abgangserfolg aus dem Verkauf von Galeria Kaufhof zum Anstieg des Beteiligungsergebnisses bei Haniel bei. Ergebnismindernd wirkte sich aus, dass Haniel im Mai 2015 die Metro-Beteiligung von 30,01 Prozent auf 25,00 Prozent reduziert hat.

Das Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit, das sich aus dem Finanzierungsaufwand und dem Übrigen Finanzergebnis zusammensetzt, betrug im Berichtszeitraum -76 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte es aufgrund des vorzeitigen Rückkaufs von Anleihen der Haniel-Holding und der damit einhergehenden außerordentlichen Belastung bei -200 Millionen Euro gelegen. Zusätzlich war der Finanzierungsaufwand aufgrund des niedrigeren Verschuldungsniveaus im Geschäftsjahr 2015 deutlich geringer als im Vorjahr. Damit profitierte Haniel von der in den Vorjahren konsequent umgesetzten Entschuldung.

Nachsteuerergebnis der fortgeführten Bereiche gestiegen
Bei einem höheren Ergebnis vor Steuern lag auch das Ergebnis nach Steuern der fortgeführten Bereiche deutlich über dem Vorjahr. Dieses konnte – auch unterstützt durch einen leicht geringeren Steueraufwand – von -28 Millionen Euro auf 120 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015 gesteigert werden. Auch das Ergebnis nach Steuern unter Berücksichtigung der nicht fortgeführten Bereiche belief sich auf 120 Millionen Euro im Jahr 2015. Dieses betrug im Vorjahr 686 Millionen Euro und enthielt ein Ergebnis der nicht fortgeführten Bereiche in Höhe von 714 Millionen Euro, das aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio resultierte.

Haniel Value Added und ROCE unter Vorjahreswert
Neben den Umsatz- und Ergebnisgrößen werden im Haniel-Konzern als wertorientierte Steuerungskennzahlen auch der Haniel Value Added (HVA) und der Return on Capital Employed (ROCE) verwendet.* Im HVA kommt der innerhalb eines Jahres erzielte Wertbeitrag zum Ausdruck. Ein positiver Wertbeitrag ist erreicht, wenn das Ergebnis nach Steuern vor Finanzierungsaufwand (der Return) über den Kapitalkosten liegt. Die Kapitalkosten berechnen sich durch Multiplikation des gewichteten Gesamtkapitalkostensatzes mit dem im Jahresdurchschnitt gebundenen Kapital. Im gewichteten Gesamtkapitalkostensatz spiegeln sich die Renditeerwartungen der Eigen- und Fremdkapitalgeber unter Berücksichtigung der jeweils mit der Bereitstellung des Kapitals verbundenen Risiken wider. Die Eigen- und Fremdkapitalkostensätze sowie ihr Gewichtungsverhältnis werden jährlich festgelegt. Für die Jahre 2014 und 2015 belief sich der gewichtete Gesamtkapitalkostensatz für die Ermittlung des HVA auf 8,1 Prozent.

Mio. Euro 2014 2015
Return 907 209
– Kapitalkosten 634 492
Haniel Value Added (HVA) 273 -283
 
Return 907 209
/ Durchschnittlich gebundenes Kapital 7.832 6.080
Return on Capital Employed (ROCE) 11,6% 3,4%

Der HVA lag im Jahr 2015 mit -283 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 273 Millionen Euro. Die wesentliche Ursache für den Rückgang ist der Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio im Vorjahr: Im Return des Jahres 2014 ist ein positiver Beitrag aus dem Verkauf von Celesio enthalten. Gegenläufig wirkten sich die gesunkenen Kapitalkosten im Geschäftsjahr 2015 aus, denn das durchschnittlich gebundene Kapital hat sich infolge des Verkaufs von Celesio deutlich verringert.

Die Steuerungskennzahl ROCE gibt die Rendite auf das durchschnittlich gebundene Kapital an. Der ROCE des Haniel-Konzerns ging von 11,6 Prozent im Vorjahr auf 3,4 Prozent im Jahr 2015 zurück. Damit lag die Rendite auf das durchschnittlich gebundene Kapital im Geschäftsjahr 2015 unter dem gewichteten Gesamtkapitalkostensatz von 8,1 Prozent, während sie im Vorjahr noch darüber gelegen hatte.

Umsatz und Operatives Ergebnis unter Erwartungen
Haniel hatte für das Jahr 2015 erwartet, dass sich sowohl eine ansteigende Edelstahlproduktion in den USA als auch ein höherer Nickelpreis positiv auf die Geschäftsentwicklung des Haniel-Konzerns auswirken werden. Da sowohl der Nickelpreis als auch die Nachfrage im Marktsegment Edelstahl entgegen der Prognose zurückgegangen sind, konnte ELG das angestrebte Wachstum bei Umsatz und Operativem Ergebnis nicht erreichen. TAKKT und CWS-boco hingegen konnten, wie prognostiziert, leichte beziehungsweise moderate Anstiege bei Umsatz und Operativem Ergebnis realisieren. Auf Konzernebene konnten aufgrund der Geschäftsentwicklung bei ELG die erwarteten Anstiege von Umsatz und Operativem Ergebnis nicht erzielt werden.

Die METRO GROUP verzeichnete wie erwartet währungsbereinigt einen leichten Anstieg sowohl des akquisitionsbereinigten Umsatzes als auch des Operativen Ergebnisses vor Sonderfaktoren. Das Beteiligungsergebnis bei Haniel lag abweichend von der Prognose deutlich über dem Vorjahreswert. Die Ursachen hierfür waren hauptsächlich die Abgangserfolge aus den Verkäufen der Vertriebslinie Galeria Kaufhof sowie der METRO Cash & Carry-Aktivitäten in Vietnam.

Das Ergebnis vor Steuern des Haniel-Konzerns lag 2015 – wie erwartet – deutlich über dem Vorjahresniveau. Neben dem im Vergleich zum Vorjahr wie prognostiziert signifikant verbesserten Finanzergebnis trug hierzu auch das höhere Beteiligungsergebnis bei.

Das Ergebnis nach Steuern ist 2015 aufgrund des im Vorjahr erzielten Abgangserfolgs aus dem Verkauf von Celesio wie erwartet zurückgegangen. Das gilt auch für die wertorientierten Steuerungskennzahlen HVA und ROCE.

* Für die detaillierte Berechnung der Kennzahlen HVA und ROCE siehe die Erläuterungen im Konzernanhang.